BRG Imst
8A Klasse 98/99
Fachbereichsarbeit aus Physik
Stationäre Ozonmessung
der stratosphärischen Ozonschicht

verfasst von: Bettina Sonnweber
betreut von: Prof. Mag. Kurt Leitl
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Bildung des Ozons in der ungestörten Stratosphäre
Aufbau der Atmosphäre
Globale Ozonverteilung
Ozonabbau in der Gasphase
HOx -Kette
NOx -Kette
ClOx -Kette
Fluorchlorkohlenwasserstoffe
BrOx -Kette
Das antarktische Ozonloch
Ozonzerstörung in der Arktis
Ozon in mittleren nördlichen Breiten
Der Einfluß von Vulkanausbrüchen auf das stratosphärische Ozon
Der Einfluß von Chlor aus Meeresgischt auf das stratosphärische Ozon
Auswirkungen der Ozonzerstörung auf die Biosphäre
Zukünftige Entwicklung
Verschiedene Meßmethoden
Auswertung der Meßreihen
Tagesschwankungen des Totalozongehaltes über Karrösten
Vergleich zwischen Arosa und Karrösten
Vergleich zwischen Sonnblick und Karrösten
Ozonverteilung über Arosa 1998
Vergleich der Ozondaten Sonnblick, Arosa und Karrösten
Fehlerabschätzung
Korrelation zwischen Sonnblick, Arosa und Karrösten
Sonnblick und Arosa
Schlußbemerkung
Literaturverzeichnis
Im Hinblick auf meine weitere Ausbildung nach der Reifeprüfung habe ich mich für eine Fachbereichsarbeit aus dem naturwissenschaftlichen Bereich interessiert.
Nach einem Gespräch mit meinem Physikprofessor Mag. Kurt Leitl
entschied ich mich für ein Thema aus dem medizinischen Bereich.In den Sommerferien durfte ich mit Herrn Professor Leitl nach Innsbruck in das Institut für Medizinische Physik fahren. Dort bot mir Universitätsprofessor Dr. Blumthaler die Möglichkeit der Messung des stratosphärischen Ozons an.
Dieses Thema interessierte mich, weil es ein aktuelles Umweltproblem behandelt. Außerdem bevorzuge ich eine Arbeit, die nicht nur theoretisch ist. Ein weiterer Anreiz war natürlich auch die Möglichkeit mit einem Meßgerät, welches mir von Professor Blumthaler zur Verfügung gestellt wurde, die Ozonschicht über meinem Wohnort zu messen und mit den Daten anderer Meßstationen zu vergleichen.
Über das Ausmaß der Schwächung des Ozonschildes durch den Menschen wird seit Beginn der 70er Jahre in der Wissenschaft geforscht.
Die Ozonschicht der Atmosphäre wird rascher abgebaut als bisher angenommen.
Öffentlich bekannt wurde die Zerstörung des Ozons in der Stratosphäre durch Berichte über das antarktische Ozonloch. Die Dicke der Ozonschicht wird durch die Ozonbildung, den Ozonabbau und den Ozontransport bestimmt.
Die chemische Grundlage der Ozonbildung ist sehr komplex. Bereits 1930 beschrieb Chapman sie in vereinfachten chemischen Reaktionen, welche für die Bildung des Ozons in der Stratosphäre verantwortlich sind.
Der Gesamtozongehalt der Atmosphäre wird in "Dobson Units" (DU) angegeben, wobei ein DU einer Schichtdicke von 1/100 mm reinen Ozons bei Normalbedingungen entspricht. Die heutige Problematik besteht darin, daß durch die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und andere Gase die Ozonzerstörung verstärkt wird, die erzeugenden Vorgänge aber gleich bleiben. Es ist schwer die zukünftige Ozonabnahme vorauszusagen. Erstens sind noch immer nicht alle Faktoren, die den Ozonaufbau beeinflussen, bekannt und zweitens besteht eine lange Latenzzeit bei den Reaktionen. Selbst bei einem sofortigen Emissionsstop der ozonzerstörenden Gase würde der Ozongehalt in der nächsten Zeit weiterhin sinken.
Mit der Senkung des stratosphärischen Ozongehaltes ist eine Zunahme der biologisch besonders wirksamen solaren UV-B Strahlung an der Erdoberfläche verbunden. Der UV-Anteil ist zwar energetisch nur von geringer Bedeutung, die biologische Wirksamkeit ist allerdings besonders groß. Neben der wichtigen Funktion der Vitamin-D Bildung hat UV-B Strahlung bei zu großer Intensität auch schädigende Einflüsse auf Haut, Augen und Immunsystem des Menschen.
Bildung des Ozons in der ungestörten Stratosphäre
Theorie von Chapman: (siehe Bild)
Bereits 1930 veröffentlichte Chapman seine Theorie über die Ozonbildung, welche auch heute noch als Grundlage zur Erklärung des Konzentrationsmaximums von Ozon in der Stratosphäre verwendet wird.

Das Symbol hn bedeutet, daß für die Reaktion Licht von einer Wellenlänge unter 320nm benötigt wird (photochemische Reaktion).
Es entstehen elektronisch angeregte Sauerstoffatome = O(1D).
Diese Reaktion wird in der Theorie von Chapman nicht berücksichtigt. In der modernen Ozontheorie glaubt man allerdings, daß besonders diese Reaktion die Erdoberfläche vor der aggressiven UV-B Strahlung schützt.
In der Mesosphäre wird UV-Strahlung im Bereich von 175nm
< l < 195nm vor allem durch O2 absorbiert. Dies führt zu einer hohen Sauerstoffkonzentration.In tiefer gelegenen Schichten nimmt die UV-B Intensität ab und damit auch die Konzentration der Sauerstoffatome.
In der Stratosphäre kann Licht im Wellenlängenbereich 200nm
< l < 220nm weit eindringen, da O2 und O3 diese Wellenlänge nur schwach absorbieren.Die Photonen bilden dort zusätzliches O3. Die Zerstörung von Ozon in höheren Schichten führt also weiter unten zu einer teilweisen Regeneration.Die Ozonverluste in höheren Schichten können allerdings nur teilweise kompensiert werden, da die Relaxationszeit des Gleichgewichts zwischen O, O2 und O3 in einer Höhe von 20km bis zu einem Jahr dauert.

Die Atmosphäre unseres Planeten reicht von der Erdoberfläche bis in eine Höhe von 1000 Kilometer und sie wirkt wie ein Filter für die von der Sonne emittierten Strahlung. Je nach Wellenlänge wird die Strahlung durch Streuung an Luftmolekülen, Streuung und Absorption an Aerosolen und Absorption durch Spurengase (z.B. Ozon) verschieden stark abgeschwächt. Ihre Schichten weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf. So spielt in der Homosphäre (unterhalb von 100km) das Molekulargewicht für die vertikale Verteilung der längerlebigen Gase keine Rolle. Die Gase sind homogen vermischt, sofern sie in der Atmosphäre weder produziert noch verbraucht werden und genügend Zeit für eine vollständige Vermischung vergangen ist. In der Heterosphäre (oberhalb von 100km) kann man durchaus einen Einfluß der Schwerkraft auf die vertikale Verteilung der Gase feststellen. Schwere Teilchen befinden sich näher bei der Erdoberfläche, leichtere bevorzugt in größerer Höhe.
Die Atmosphäre wird nach dem vertikalen Verlauf der Temperatur eingeteilt:
·
In der untersten Schicht der Atmosphäre, der Troposphäre, spielt sich das gesamte Wettergeschehen ab. Die bodennahe Luft wird durch die Rückstrahlung der Sonnenstrahlung von der Erdoberfläche erwärmt und steigt auf. Ihren kältesten Punkt erreicht die Troposphäre an der Grenze zur darüberliegenden Schicht der Tropopause. Daher kommt es innerhalb der Troposphäre zu einer ständigen Durchmischung. Im Gegensatz dazu dauert ein Austausch zwischen Troposphäre und Stratosphäre ein bis zwei Jahre. Die Höhe der Troposphäre ändert sich mit den Jahreszeiten und ist von der geographischen Breite abhängig. Die Mittelwerte liegen in den Tropen bei 16km, über den Polen bei 8 bis 9km. Auch in der Troposphäre gibt es ein Ozonproblem. Es hängt mit dem Sommersmog zusammen und nimmt im Gegensatz zum stratosphärischen Ozon zu. Dieses Ozon hat allerdings zunächst nichts mit der Ozonabnahme in der Stratosphäre zu tun und kann diese auch nicht ausgleichen. Durch die Zerstörung der Ozonschicht gelangt allerdings mehr UV-Strahlung zur Erdoberfläche und führt dadurch zu einer vermehrten Bildung von Sommersmog.·
In der Stratosphäre (ca. 10-50km) bleibt die Temperatur zunächst konstant und steigt dann mit der Höhe. Die Stratosphäre ist eine stabile Schicht, da sich die leichte warme Luft oben befindet und die kalte schwere Luft unten. Die größte Konzentration von Ozon ist in einer Höhe von 20 bis 25km vorhanden und dient dort als Schutzschild gegen die UV-B Strahlung.Nur so ist das Leben auf der Erde in der heutigen Form überhaupt möglich.
·
In der Mesosphäre sinkt die Temperatur wieder mit der Höhe.Transportvorgänge von Gasen sind vor allem von der Temperatur abhängig. Über dem Äquator kommt es zum größten Austausch zwischen Troposphäre und Stratosphäre, da dort durch Konvektion die Tropopause häufig durchbrochen wird.
Zerstörung des Ozonschildes

Die Konzentration des Ozons variiert stark mit der geographischen Breite. So ist über dem Äquator die Konzentration am geringsten und steigt mit zunehmender geographischer Breite. Dort sind auch die jahreszeitlichen Schwankungen am größten. Ozon wird hauptsächlich in der Atmosphäre der Tropen gebildet, da dort die Intensität der UV-Strahlung am größten ist. Von dort aus wird das neugebildete Ozon durch Konvektion nach Süden und Norden transportiert (bis ca. 30° N bzw. S). Durch stratosphärische Westwinde im Nordwinter wird das Ozon aus der Quellregion (Tropen) nach Norden transportiert. Im Südwinter wird das Ozon durch Richtungsänderung der Westwinde zur Südhalbkugel transportiert. So kommt es in den mittleren Breiten im Frühjahr und Herbst zu einem Ozonmaximum. Der jahreszeitliche Unterschied des Gesamtozongehaltes kann also durch diese Brewer-Dobson-Zirkulation erklärt werden. Neben den jahreszeitlichen Schwankungen kommt es im Frühjahr und Winter zusätzlich zu großen täglichen Schwankungen des Totalozons. Diese Ozonänderung läßt sich durch Luftmassen, die sich vor allem im Frühjahr und Winter vom stürmischen Zirkumpolarwirbel (Vortex) lösen und nach mittleren Breiten transportiert werden, erklären. Da sich über den Polen das Ozonmaximum in geringerer Höhe befindet, gelangt das Ozon beim Transport nach mittleren Breiten in Regionen, wo das Ozonmaximum wesentlich höher ist. Also kommt es zu höheren Ozonkonzentrationen in der tieferen Stratosphäre mittlerer Breiten.
Im Winter bildet sich über den Polen in der Stratosphäre ein starker Tiefdruckwirbel, der den Luftaustausch mit der Stratosphäre mittlerer Breiten stark vermindert. Dadurch wird der Nachschub von tropischem Ozon zum Pol verhindert. Man kann große Differenzen zwischen dem Gesamtozongehalt der Antarktis und Arktis beobachten. Der antarktische Tiefdruckwirbel ist viel stabiler und bricht viel später im südlichen Frühling auf als im Norden. Dies wird durch die asymmetrische Verteilung der Landmasse hervorgerufen. Auf der Nordhemisphäre schwächen viel stärkere Turbulenzen den Zirkumpolarwirbel.
Dies bedeutet, daß die Totalozonwerte im arktischen Winter viel höher sind als im antarktischen, weil der Vortex über dem Nordpol weniger kompakt ist und somit die ozonreiche Luft tropischen Ursprungs leichter eindringen kann. Dieses natürlicherweise abnehmende Ozon während des winterlichen Polarwirbels hat allerdings nichts mit dem antarktischen Ozonloch zu tun.
Der Ozongehalt in der Stratosphäre wird durch mehrere natürliche Phänomene beeinflußt:
a)Die QBO (Quasi-Biennial-Oscillation) ist eine 26 Monate andauernde Schwingung der tropischen Atmosphäre. Durch sie wird die Stärke der tropischen Ost- und Westwinde moduliert und somit der Transport in der Stratosphäre verändert. Die Auswirkungen sind bis in mittlere Breiten feststellbar.
Mechanismus
Die neue Theorie beschäftigt sich vornehmlich mit Radikalkettenreaktionen.
Aus Quellgasen in der Stratosphäre bilden sich Radikale, die in Kettenreaktionen Ozon zerstören. Die Quellgase werden in der Troposphäre fast gar nicht abgebaut und verteilen sich daher global gesehen gleichmäßig.
Das heißt, daß die Konzentration über den Polen etwa gleich hoch ist, wie die in mittleren nördlichen Breiten, wo die Quellgase hauptsächlich emittiert werden.
Quellgase können entweder ausschließlich anthropogenen Ursprungs (FCKW, Halone) sein, oder auch aus natürlichen Prozessen stammen (N2O) oder vor allem natürliche Quellen haben (CH3Cl). Über die Tropen gelangen die Quellgase in die Stratosphäre und setzten dort durch photochemische Reaktionen, die kurzwelliges Licht benötigen, ozonabbauende Radikale frei.
Reaktionstypen
1) Start- oder Initiierungsreaktionen:
Quellgase werden durch Photolyse (aufbrechen eines Moleküls durch die Energie des aufgenommenen Lichtes) mittels kurzwelligem UV, durch Reaktionen mit OH-Radikalen oder mit O (1D), einem energetisch angeregten O-Atom, abgebaut. Diese Reaktionen tragen zur Bildung von ozonzerstörenden Radikalen, den Kettenträgern (
= chemische Spezies, welche die Kettenreaktion in Gang hält, selbst aber nicht verbraucht bzw. wieder gebildet wird) YOx (Y steht für Cl, Br, N oder H), bei.2) Radikalkette:
Durch die Radikalketten wird ungerader Sauerstoff (O, O3) in geraden Sauerstoff (O2) umgewandelt und führt so zu einer Ozonzerstörung.

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oder (weniger wichtig, für n=1):


Durch diese Reaktionen können sehr viele Ozonmoleküle zerstört werden, da die Kettenträger YOn (Y= Cl, Br, N, H - Fluor bildet wegen seiner hohen Elektronegativität keine FOx- Ketten) als Katalysator wirken.
Andere Reaktionen können die Kettenträger vermindern und somit die Geschwindigkeit der Ozonzerstörung verringern:
3) Weitere Radikalreaktionen:
Bei diesen Reaktionen der Kettenträger kommt es zu keiner Transformation von ungeradem zu geradem Sauerstoff. Die Anzahl der Radikale bleibt allerdings gleich.
a)
Zwei Kettenträger (Radikale) reagieren zu zwei neuen Kettenträgern.z.B.: ClO + NO
® Cl + NO2b)
Eine Radikalspezies wird in eine andere übergeführt. Diese Reaktionen sind entweder photochemisch oder es reagieren Kettenträger mit einer nichtradikalen Spezies.Cl + CH4
® HCl + CH34) Reservoirgasreaktionen:
Wenn zwei Kettenträger miteinander reagieren, können auch sogenannte Reservoirgase entstehen (chemisch stabil). Sie zerstören kein Ozon, zerstören aber auch die Radikale nicht, da sie jeder Zeit wieder zu Kettenträgern zurückreagieren können.
Bildung eines Reservoirgases z.B. Chlornitrat unter Mitwirkung eines Stoßpartners M (= Molekül z.B. N2, das zum Abtransport der Überschussenergie benötigt, aber in der Reaktion nicht umgewandelt wird.):
NO2 + ClO (+M)
® ClONO2 (+M)Reaktivierung eines Reservoirgases:
ClONO2
- hn ® Cl + NO3ClONO2 + O
® ClO + NO3Die einzige Möglichkeit Radikale zu eliminieren ist der langsame Transport von Reservoirgasen und Kettenträgern in die Troposphäre, wo sie in Wasser gelöst (z.B. Salpetersäure HNO3, Salzsäure HCl und Wasserstoffperoxid H2O2 ) und im Niederschlag ausgewaschen werden.
Die Bedeutung der HOx- Ketten und die des energetisch angeregten Sauerstoffes O (1D) wurde 1964 von Hampson erkannt. Die Reaktionen von HOx sind komplizierter als die des FCKWs.
Startreaktionen:
1) H2O + O (1D)
® 2OH2) H2O
- hn ® H + OH3) H2 + O (1D)
® H + OH4) CH4 + O (1D)
® OH + ...H2O und H2 sind nicht nur Quellgase sondern auch Reservoirgase im HOx-Zyklus. Methan CH4 ist in die Reaktion involviert, in welcher das wichtige Reservoirgas HCl gebildet wird.
In den 70er Jahren wurden in der USA Überschalltransporter SST, welche in der unteren Stratosphäre fliegen sollten, geplant. Allerdings lösten sie bald heftige Diskussionen über eine mögliche anthropogene Zerstörung der Ozonschicht aus. Der Wasserdampf ihrer Abgase wurde wegen der HOx -Kette als bedenklich angesehen. Untersuchungen sollen allerdings ergeben haben, daß sie vernachlässigt werden kann. Zum erstenmal wurde über die Auswirkung des Flugverkehrs auf die Atmosphäre diskutiert.
1) N2O + O(1D)
® 2NOLachgas kann allerdings auch in Reaktionen abgebaut werden bei denen kein NOx entsteht:
2) N2O + O(1D)
® N2 + O23) N2O
- hn ® N2 + O(1D)Quellen:
Große Mengen von NOx würden bei einem weltweiten nuklearen Krieg frei werden, direkt in die Stratosphäre gelangen und das stratosphärische Ozon stark schädigen. Außerdem wurde der Einfluß von NOx aus den Abgasen von Überschalltransportern genauer untersucht. Der amerikanische Kongreß entschied die Überschalltransporter nicht zu bauen. Die NASA möchte den Einfluß von Flugzeugen, die in der Stratosphäre verkehren, auf die Ozonschicht klären, da in Amerika eine zweite Generation von Hochgeschwindigkeits- flugzeugen geplant wird.
FCKW sind Chemikalien die ausschließlich vom Menschen stammen und deren Auswirkungen auf die Umwelt von den Physikochemikern Rowland und Molina zum ersten Mal untersucht wurden. Sie stellten fest, daß die ozonzerstörenden ClOx Radikale auf die anthropogene FCKW Freisetzung zurückzuführen sind.
Cl + O3
® ClO + O2ClO + O
® Cl + O2Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW)
Fluorchlorkohlenwasserstoffe sind chemisch inert d.h. sie gehen in der Biosphäre keine chemische Reaktion mit ihrer Umwelt ein. Unzerstört zirkulieren sie 50-100 Jahre lang in der Troposphäre. Pro Jahr steigt ihre Konzentration. In der unteren Atmosphäre, wo sie praktisch überhaupt nicht abgebaut werden , gehören sie zu den klimawirksamen Spurengasen.
1)
Irgendwann können sie, etwa während eines tropischen Gewitters über der Äquatorregion, die Grenzschicht zur Stratosphäre durchbrechen. Dort spaltet UV-Strahlung Chlor-Atome aus den FCKW- Molekülen ab.2)
Die dabei entstehenden, äußerst reaktiven Chlorradikale greifen nun in das Ozongleichgewicht ein.3)
Die Chlor-Radikalatome reagieren mit Ozon , wobei Chlor die Rolle des Katalysators spielt.4)
Es ermöglicht die chemische Umwandlung von Ozon in normalen Luftsauerstoff, ohne dabei selbst verändert zu werden.5)
Trifft ein Sauerstoffatom auf das Chlormonoxid, wird das Chlorradikal wieder frei.6)
Das freie Chlor-Atom kann mit dem nächsten Ozonmolekül reagieren. Auf diese Weise kann ein einziges Chlor-Atom vermutlich 10 000 Ozon Moleküle in Sauerstoff verwandeln bis es endlich gebunden wird.
Brom- Radikale wirken deutlich effizienter als die ClOx Radikale. Die Reservoirgase BrONO2 und HBr werden viel seltener gebildet als die der ClOx Radikale ClONO2 und HCl. Halone ( gesättigte bromhaltige Chlorfluorkohlenwasserstoffe - die Moleküle enthalten nur Br, C, Cl, F und kein H) sind in der Troposphäre chemisch stabil und wurden bis vor kurzem als Brandschutzmittel verwendet. Sie wurden allerdings nicht in so großen Mengen wie FCKW ausgesetzt und sind daher für die Ozonzerstörung und den Treibhauseffekt trotz größerer Effizienz nur von geringer Bedeutung.
Mitte der 80er Jahre wurde das antarktische Ozonloch entdeckt. Die Tragweite der anthropogenen Ozonzerstörung wurde zum ersten Mal erkannt und zu einem zentralen Problem.
Die Beschreibung des antarktischen Ozonlochs
In den 80er Jahren belegten Chubachi und Farman durch ihre Oktobermeßwerte des Totalozons über der Antarktis die Abnahme des Ozons. Farmans Publikation über das antarktische Ozonloch wurde berühmt. Es gelang ihm einen Zusammenhang zwischen der Ozonabnahme und den vom Menschen freigesetzten FCKWs herzustellen.
Die Ursachen des Ozonlochs
Das antarktische Ozonloch stellte vorerst ein Rätsel dar, da man es anhand der Ozontheorie nicht erklären konnte. Nach weiteren Forschungen und Laborexperimenten wurde schlußendlich eine dritte Generation der Ozontheorie entwickelt. Zusätzlich werden nun auch heterogene chemische Prozesse, die nur an festen und flüssigen Oberflächen ablaufen, berücksichtigt.
ClOx und NOx sind die wichtigsten Radikalketten im Gasphasen-Reaktionsschema. Die Geschwindigkeit mit der sie das Ozon zerstören bestimmen die Reservoirgase Chlornitrat (ClONO2) und Salzsäure (HCl). In der südlichen Polarnacht während dem Zirkumpolarwirbel sinkt die Stratosphärentemperatur sehr tief. Obwohl es sehr trocken ist, bilden sich bei solchen Temperaturen stratosphärische Polarwolken. Diese bestehen entweder aus Salpetersäurekristallen mit angelagertem Kristallwasser (unterhalb von -80
° C) oder auch aus reinen Eiskristallen (unterhalb von -86° C).Wenn sich die Luft schnell abkühlt bilden sich Perlmutterwolken mit zahlreichen verhältnismäßig kleinen Eiskristallen, die das Sonnenlicht vielfach streuen und brechen. Sie sind, da sie in einem flachen Winkel zur Lichtrichtung stehen, farbenprächtig und gut sichtbar. Wolken mit großen Eiskristallen, wie sie bei langsamer Abkühlung entstehen, sind weniger gut sichtbar.
Perlmutterwolken
Außerdem werden in der Polarnacht die Stickoxide aufoxidiert:
NO2 + O2
® NO3 + O3NO2 + O3 (+M)
® N2O5 (+M)N2O5 reagiert weiter an der Oberfläche der stratosphärischen Polarwolken und so entsteht Salpetersäure HNO3, die zusammen mit anderen festen Komponenten an den Polarwolken haftet. Da diese Stickstoff aus der Stratosphäre entfernt (Dentrifikation), schränkt sie die Umwandlung der ClOx- Radikale in das Reservoirgas Chlornitrat (ClONO2) stark ein. Neben dieser Reaktion finden allerdings noch andere wichtige heterogene Reaktionen an der Oberfläche der Polarwolkenkristalle statt.
Es wird zum Beispiel die Verteilung der Chlorspezies stark verändert. Die Reservoirgase ClONO2 und HCl werden in lichtunbeständige Bestandteile HOCl und Cl2 umgewandelt. Während der Polarnacht fehlt also Chlor und so wird die ClOx Kettenreaktion gestoppt. Solange kein Licht diese Luftmassen erreicht, bleiben die Reservoirgase stabil. Gelangen jedoch, die für die Umwandlung benötigten Sonnenstrahlen zu den Reservoirgasen, werden sofort ClOx -Kettenträger gebildet:
HOCl
- hn ® Cl + OHCl2
- hn ® 2ClDie Intensität der UV-Strahlung ist von Ende September bis Anfang November gering und so bleibt die O-Konzentration gering und die ClO-Konzentration groß. Daher kommt es zu weiteren ozonzerstörenden Reaktionen.
1) durch den ClOx -Zyklus
Cl + O3
® ClO + O2ClO + ClO (+M)
® ClOOCl (+M)ClOOCl
- hn ® Cl + OOClOOCl (+M)
® Cl + O2(+M)S
: 2O3 ® 3O22) durch den ClOx / BrOx -Zyklus
ClO + BrO
® Br + OClOOClO
- hn ® Cl + O2Ungefähr 75-80
% der Ozonzerstörung erfolgt durch den ClOx -Zyklus der Rest durch den ClOx /BrOx -Zyklus.
Ozon in mittleren nördlichen Breiten
Variabilität des stratosphärischen Ozons
Folgende wichtige Einflüsse wurden festgestellt und beschrieben:
a.)Es besteht ein bis in mittlere Breiten feststellbaren Zusammenhang zwischen dem elfjährigen Sonnenfleckenzyklus und dem Totalozon. Durch den Sonnenfleckzyklus verändert sich die Stärke der UV-Strahlung und beeinflußt somit die Ozonbildung in der Quellregion über den Tropen.
b.)Weiters wurde der Einfluß der QBO auf das Ozon in den Tropen und mittleren Breiten erkannt. Die QBO ist eine Schwingung der Atmosphäre über den Tropen, die je nach Vorzeichen östliche bzw. westliche Windanteile aufzeigt. Die Schwingung dauert ungefähr 26 Monate und beeinflußt die Stärke des Ozonflusses aus der tropischen Quellregion in die mittleren Breiten.
c)Auch das El Niño Phänomen ist eine Schwingung, die vor allem in der tropischen Atmosphäre auftritt. Es kommt zu entgegengesetzte Druckanomalien zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik. Die Schwingungsdauer beträgt vier Jahre. Sie bewirkt eine Änderung der Oberflächentemperatur im östlichen Pazifik. Über den wärmeren Meeresteilen steigen Luftmassen stärker auf (Konvektion) und dies verursacht unterschiedliche Tropopausenhöhen entlang des Äquators. Das Totalozon ändert sich um einige DU (100 Dobson Units = 1mm Schichtdicke Ozon bei einem Gesamtdruck von 1atm und bei 25°C).
d)Starke Sonnenprotonenereignisse beeinflussen den Ozongehalt über den Polen, weil dabei NOx-Radikale gebildet werden. Dieser Effekt ist allerdings nur oberhalb von 35km und zwischen 55°N und 65°N für den Totalozonwert von Bedeutung.
Langzeitentwicklung in nördlichen mittleren Breiten
Seit man das Ozon auch von Satelliten aus messen kann (TOMS-Instruments = Total Ozone Mapping Spectrometer an Bord des Satelliten Nimbus 7) verglich man die Bodenmessungen mit den Satellitenmessungen und überarbeitete sie neu. Dabei stellte sich heraus, daß manche Daten von Meßstationen wesentlich andere Ergebnisse lieferten. Große Konzentrationen an Schwefeldioxid führten in den 70er Jahren zu einer Verfälschung der Totalozonmessungen. Dabei waren jene Meßstationen, die in der Nähe von Großstädten liegen, betroffen.
Regionale Trends festgestellt durch Dobson Messungen des Totalozons (WMO 1992). Die Werte sind in Prozent pro Jahrzehnt:
|
gesamtes Jahr Trend |
Dez.-März Trend |
Mai-August Trend |
Sept.-Nov. Trend |
|
|
Nordamerika
Europa
Ferner Osten
24-64°N |
-2,1
-1,8
-1,2
-1,8
|
-3,2
-2,9
-1,8
-2,7 |
-1,7
-1,2
-0,9
-1,3 |
-1,1
-1,2
-0,4
-1 |
Zwischen den Messungen des Dobson Netzes und den TOMS- Messungen besteht eine akzeptable Übereinstimmung. Die Trends bei den TOMS- Daten sind ungefähr um 1% stärker.
Interpretation der Trends
Drei neue Erklärungen werden momentan diskutiert:
In der Arktis können ebenfalls Stratosphärenwolken gebildet werden und eine Störung der Verteilung der Chlorspezies bewirken. Erwärmt sich der Polarwirbel zu Beginn des Frühlings so könnte dies einen direkten Einfluß auf das Totalozon in mittleren Breiten haben. Zwischen Arktis und mittleren Breiten besteht ein ständiger Luftaustausch, da der Vortex immer nur kurzzeitig stabil ist. So gelangen die lichtunbeständigen Reservoirgase in mittlere Breiten und werden dort unter Sonnenbestrahlung in ClOx Radikale umgewandelt. Allerdings können die Cl-Kettenträger nicht nur mit O3, sondern auch mit NO2 zu ClONO2 reagieren und so die Ozonzerstörung bremsen. Es ist also mit dieser Theorie nicht möglich die tiefen Ozonwerte im Winter 1992/93 in nördlichen mittleren Breiten zu erklären. Man vermutete, daß sie durch die Bewegung von "Luftpaketen" aus der Arktis verursacht wurden.
2. Oberflächenreaktionen an Schwefelaerosolen
Nicht nur Kristalle der polaren Stratosphärenwolken, sondern auch Sulfataerosole ermöglichen Oberflächenreaktionen, die die Gasphasenchemie stören. Bei der Eruption des El Chichón erklärte man sich die tiefen Ozonwerte dadurch, daß auf der Oberfläche der Sulfataerosole N2O5 schnell zu HNO3 umgewandelt wird. Diese Reaktion entzieht der Stratosphäre NOx Radikale (Denitrifikation) und beschleunigt somit den ClOx Kettenmechanismus. Auch dieses Modell weist Probleme auf, da die Reaktionen zu langsam sind, um für die Stratosphäre mittlerer Breiten von Bedeutung zu sein. Sie haben höchstens in der Nähe des Polarwirbels, wo die Temperaturen sehr tief sind, einen Einfluß auf den Ozongehalt. Eine Verbesserung des Modells erreicht man, wenn der vertikale als auch der Transport entlang geographischer Breiten sowie chemische Reaktionen berücksichtigt werden. Die Sulfataerosolteilchen befinden sich in einer Höhe von 15-24km über der ganzen Erde verteilt.
N2O5(ads) + H2O(s)
® 2HNO3(s)Bei dieser Reaktion wird die NO und NO2 Konzentration vermindert (Denitrifikation) und die OH Konzentration wegen der Photolyse von HNO3 erhöht. Durch die Erhöhung der ClOx Radikale wird die Ozonzerstörung deutlich beschleunigt. Durch den vermehrten SO2 Ausstoß des ansteigenden Luftverkehrs in den 80er Jahren wuchs die Konzentration der Sulfataerosolteilchen.
2. Spezielle meteorologische Gegebenheiten
In den letzten Jahren wurde über Mitteleuropa ein Zusammenhang zwischen meteorologischen Ereignissen und tiefen Totalozonwerten festgestellt. Länger andauernde Hochdrucklagen über dem Nordatlantik verursachen höhere Tropopausenhöhen und eine damit verbundene Hebung von Luftmassen in der Stratosphäre, was zu einer Verminderung des Ozons führt. Anhand solcher meteorologischer Faktoren läßt sich die Breitenabhängigkeit der stratosphärischen Ozonzerstörung erklären.
Der Einfluß von Vulkanausbrüchen auf das stratosphärische Ozon
Vulkaneruptionen können auf viele verschiedene Weisen ablaufen. Am meisten festes und gasförmiges Material gelangt bei einem explosiven Ausbruch in die Stratosphäre. Die Stärke eines Vulkanausbruches wird anhand von VEI (Volcanic Explosivity Index, logarithmische Skala von 0-8) klassifiziert und das Volumen des ausgestoßenen Materials, auch Tephra genannt, kann durch die Dicke der Ablagerungen auf der Erdoberfläche bestimmt werden. Erst ab einer Stärke von 3-4 VEI erreichen Gase und Staub die Stratosphäre. Bei einem Vulkanausbruch sind vor allem Wasserdampf, Kohlendioxid, Salzsäuregas, und Schwefelsäure vorhanden. Schwefelsäure wird sehr schnell in Schwefeldioxid umgewandelt und dieses wiederum oxidiert zu Schwefelsäure. Es bilden sich Sulfataerosole, die für 12-18 Monate in der Stratosphäre bleiben. Durch genaue Messungen läßt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Vulkanausbrüchen und Ozonabnahme feststellen.
Vergleich zwischen Totalozon in Arosa und Vulkanaktivitäten:
Anhand des Bildes (siehe nächste Seite) erkennt man, daß im Jahr der starken Eruptionen oder auch in den darauffolgenden Jahren tiefere Totalozonwerte gemessen wurden. Im März 1956, zum Beispiel, brach Bezymianny (56°N) aus und beeinflußte die Ozonwerte von 1956 und 1957. El Chichón (17°N, März/April 1982) und Pinatubo (15°N, Juni 1991) wirkten sich auf den Ozongehalt von 1983 bzw. 1992 aus. Der Einfluß der Ausbrüche des Cerro Azul (VEI5, 36°S, Oktober 1932) und des St. Helens (Mai 1980, 46°N) auf die Ozonschicht konnten durch die Messungen über Arosa nicht festgestellt werden, da sie zu weit entfernt liegen.
Der Einfluß von Chlor aus Meeresgischt auf das stratosphärische Ozon
Durch den Wellengang von den Ozeanen lösen sich immer wieder Wassertropfen. Das Wasser verdunstet und es entstehen Seesalzaerosole. Es wurde schon des öfteren behauptet, daß diese einen Einfluß auf den Chlorgehalt in der Stratosphäre haben und somit an der Ozonzerstörung beteiligt sind. Die heutigen Messungen und Theorien widerlegen allerdings diese Annahme.
1) Die Aerosole selbst könnten in die Stratosphäre transportiert werden. Dies ist allerdings sehr unwahrscheinlich, da sie schwer und relativ groß (ca. 1
m m) sind. Sie würden daher nur geringe Höhen erreichen (bei Gasen spielt das Gewicht bei der vertikalen Verteilung keine Rolle). Vertikale Messungen bestätigen diese Theorie. Ab einer Höhe von 3-4km nimmt der Chlorgehalt abrupt ab. In der Stratosphäre ist kein Natrium zu finden und es kann daher angenommen werden, daß die Seesalzaerosole die Tropopause nicht erreichen.2) Chlor kann auch aus den Seesalzaerosolen herausgelöst werden. Durch die Aufnahme von Salpeter- und Schwefelsäure an der Aerosoloberfläche wird HCl -Gas freigesetzt. Die Aerosole können aber auch mit troposphärischem Ozon oder mit N2O5 reagieren. Bei diesen Reaktionen entsteht reines Chlorgas bzw. NO2Cl, das unter Lichteinfluß schon in der Troposphäre zu Chlor-Radikalen umgewandelt wird. Diese reagieren wiederum sofort mit organischen Kohlenwasserstoffen und bilden dabei HCl. Es entsteht also bei allen möglichen Reaktion gut wasserlösliche Salzsäure, die eine Verweilzeit von ungefähr drei Tagen hat. Das heißt, sie wird noch bevor sie in die Stratosphäre gelangt, ausgewaschen und gelangt in den Ozean zurück.
Auswirkungen der Ozonzerstörung auf die Biosphäre
Durch verminderten Ozongehalt in der Stratosphäre erreicht mehr UV-B Strahlung die Erdoberfläche.
UV-B Strahlung wirkt sich auch auf höhere Pflanzen, speziell Nutzpflanzen aus.
Besonders betroffen von der erhöhten UV-Strahlung sind bisher die Länder der südlichen Halbkugel. In Australien und Neuseeland werden über Rundfunksender Hautkrebswarnungen verbreitet. Australische Firmen arbeiten daran eine Hautcreme zu produzieren, die mit einem künstlichen Hormon die Pigment-Produktion anregen soll. UV-B Strahlung regt die Vitamin D- Bildung an. Steigt allerdings die Intensität so ist sie äußerst gefährlich und wirkt auf Haut, Augen und Immunsystem schädigend. So wird zum Beispiel geschätzt, daß bei einer 1%igen Abnahme des Gesamtozongehaltes die Häufigkeit für Melanome um 2% wächst. Es ist wichtig das Auge durch eine Sonnenbrille vor UV-Strahlung zu schützen, weil hohe UV-B Dosen zu Schneeblindheit und Grauen Star führen. Bei Versuchen mit Mäusen wurde beobachtet, daß eine Bestrahlungszeit von weniger als 30 Minuten in äquatorialen Gebieten zu einer Immunschwächung um 50% führt. Es ist noch nicht geklärt, inwieweit sich dieses Ergebnis auf das Immunsystem des Menschen übertragen läßt.
Obwohl die zerstörerische Wirkung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe bereits 1974 (Molina/Rowland) bekannt war, rückte erst 1988 der Treibhauseffekt und das Ozonloch weltweit in den Mittelpunkt des Interesses. Es bedurfte mehreren Schreckensmeldungen in den Medien, um diese Probleme auch in der Politik zu einem Thema zu machen. Es folgten mehrere Kongresse und Klimakonferenzen
Kürzlich, am 2.November 1998, fand in Buenos Aires die vierte Vertragsstaatenkonferenz zur Klimakonvention statt. Das Ziel war, die Vorgaben aus dem Kyoto Protokoll umzusetzen. Unter anderem sollte geklärt werden, in wie weit auch Entwicklungsländer die Emissionen von Schadstoffen begrenzen müssen.
Ohne die Möglichkeit genaue Messungen zu machen, würden wir nichts über das Ozonloch und den Treibhauseffekt wissen. Wissenschaftler benötigen Messungen, die ihnen helfen geeignete Modelle für die Prozesse in der Atmosphäre zu erstellen und zukünftige Trends vorauszusagen. Diese Beweggründe stellen hohe Anforderungen an die Meßgeräte.
Die Atmosphäre besteht aus vielen verschiedenen Bestandteile mit unterschiedlichen chemischen Eigenschaften. CO2, N2O, CH4 und Fluorchlorkohlenwasserstoffe haben eine Latenzzeit von Jahren bis zu Jahrhunderten. OH Radikale hingegen bleiben für weniger als eine Sekunde stabil.
Wichtige Kriterien für ein Meßinstrument:
1) Wie viele verschiedene Arten kann das Meßgerät messen und wie viele kann es gleichzeitig messen?
Bodenmessungen
Es gibt viele verschiedene Arten, wie man die Konzentration eines Gases messen kann. Für die Ozonmessung ist die Spektroskopie eine der gängigsten Methoden.
UV-Absorption:
UV- Absorption ist die Grundlage bei den meisten Ozonmeßgeräten. Man nützt dabei die Eigenschaft von Ozon, daß es besonders Licht das im Bereich von 253,7nm liegt, absorbiert. Vorteile dieses Meßgerätes sind, daß es leicht zu bedienen ist und auch unter vielen Bedingungen eingesetzt werden kann.
Satellitenmessungen
Satellitenmessung ermöglichen globale Totalozonmessung von hoher Genauigkeit.
Durch Vergleiche und Kombinationen von Meßmethoden kann man vielleicht die Komplexität der Stratosphärenchemie besser verstehen und beschreiben. Dies ist vor allem für die Entwicklung in der Zukunft von Bedeutung.
Funktionsweise
Microtops II ist ein handliches mit 5 Kanälen und einem schmalen Bandfilter pro Kanal ausgestattetes Meßgerät. Der Ozongehalt wird aus drei verschiedenen UV Wellenlängen, Längen- und Breitengrad, Zeit, Höhe und Druck automatisch berechnet. Der Druck wird durch ein eingebautes Druckmeßgerät ermittelt. Die anderen zwei Kanäle dienen der Messung von der Luftfeuchtigkeit.
Einleitung
Man versuchte ein billiges tragbares Ozonmeßgerät zu konstruieren. Das größte Problem war stabile schmale UV Bandfilter einzubauen. Fortschritte in der Schmalfilmtechnik ermöglichten die Herstellung von Filmen, die eine zufriedenstellende Qualität aufwiesen. Aufgrund früherer Erfahrungen konnte man nun ein zuverlässiges genaues Ozonmeßgerät entwickeln. Microtops II mißt die Sonnenstrahlung im Bereich von 300, 305.5, 312.5, 940 und 1020 nm. Durch diese Messungen berechnet das Gerät den Ozongehalt und Wasserdampf.
Grundlage des Instruments
Ozon absorbiert kurze Wellenlängen des ultravioletten Lichtes viel stärker als lange Wellenlängen. Die Menge des Ozons zwischen der Sonne und dem Gerät ist proportional zum Verhältnis von zwei Wellenlängen der ultravioletten Strahlung. Microtops II verwendet diesen Zusammenhang um den Totalozongehalt zu berechnen. Es mißt ähnlich wie das Dobson Meßgerät 3 Wellenlängen im UV Bereich. Die dritte Wellenlänge dient zur Korrektur um eventuelle Fehler durch Streulicht zu verhindern.
Design des Instruments
Optischer Block
Der Vorteil dieses Gerätes ist seine Fähigkeit den Ozongehalt stabil unter vielen verschiedenen atmosphärischen Bedingungen zu messen. Das gesamte Gerät wurde durch Computersimulationen getestet. Um eine langzeitige Stabilität zu erreichen, wird der optische Block aus einer Aluminiumplatte gefertigt. Die mechanische Anordnung der optischen Kanäle ist genauer als 0.1°. Die eingebauten Ablenkplatten in jedem Kanal verhindern, daß reflektiertes Licht die Photodetektoren erreicht. Die inneren Oberflächen sind mit einem nur schwach reflektierenden Material ausgekleidet.
Das größte Problem stellten die optischen Filter und Photodetektoren dar. Die Computersimulation ergab, daß der Verlust bei 300nm Filter nicht größer als 10-7 sein darf, da bei kürzeren Wellenlängen das Signal schwächer ist als bei längeren. Die GaP Photodetektoren, welche im Microtops II eingebaut sind, haben im UV Bereich eine hohe Empfindlichkeit, einen niederen Geräuschpegel und reagieren über 500nm nur schwach.
Microtops II mißt jede Wellenlänge unabhängig voneinander und berechnet das Verhältnis. Die Genauigkeit wird dadurch erzielt, daß Microtops II in der Lage ist, sehr starke und sehr schwache Signale unter einer angemessenen Signal-Lärm Proportion und hoher Linearität zu messen. Damit die Messungen stabil bleiben, muß der elektronische Schaltkreis beständig gegenüber Temperaturschwankungen sein. Die Zeit und das Datum für die Berechnung des Winkels zwischen Zenit und Sonnenstand werden durch die eingebaute Uhr erfaßt.
Visier
Microtops II wird hauptsächlich manuell bedient. Die Genauigkeit der Messung hängt also auch davon ob, wie ruhig und präzise die Sonne anvisiert wird. Mehrere Tests ergaben, daß ein trainierter Benutzer bis zu einem Grad vom Sonnenmittelpunkt abweicht. Starker Wind oder Kälte können größere Abweichungen bewirken. Eine Steigerung der Genauigkeit wurde durch eine Serie von schnell aufeinander folgenden Messungen, die das Gerät analysiert, erreicht.
Eichung und Messung des Ozons
Die Eichung des Microtops II Instruments verlangt, daß, wenn die Intensität der in den Kanälen gemessenen Strahlung analysiert wird, das Lambert Beer Gesetz gilt.
Lambert - Beer Gesetz:
I = I0 ea m W - mb P/ PoI0
ist die Intensität der entsprechenden Wellenlänge, bevor sie die Atmosphäre durchdringtAusdrücke für
m und m:m = sec Z - 0.0018167 × (sec Z - 1) - 0.002875 × (sec Z - 1)2 - 0.0008083 × (sec Z - 1)3
m
= (R + h) / [ (R + h)2 - (R + r)2 × sin2 Z] 1/2R
ist der Radius der Erde (6371 km)h
[ km] = 26 - 0.1× geographischer Länge [ °]Der Winkel zwischen Zenit und Sonnenstand Z, welcher die Grundlage zur Berechnung von m und
m ist, kann aus den Koordinaten des Ortes der Messung und der Zeit (UT Universal Time) berechnet werden.Der theoretische Ausdruck für den Ozongehalt von den zwei Kanälen ist:
a
12 = (a 1 - a 2) Differenz des Ozonfaktors für den jeweiligen Kanal 1 und 21) ln I = ln I0 -
a m W - m b P/ P0Für m =
m ergibt sich ein Wert für ln(I0) und ein gesamter Faktorenwert für die übrigen Terme abhängig von der Beziehungsanalyse. Diese Konstante wird in den Term für Ozonabsorption und in den Term für die Lichtstreuung eingesetzt. TERC entwickelte ein einfaches Modell, welches annimmt, daß sich ein schmaler Bandfilter wie ein Filter für eine einzige Wellenlänge verhält. Das verursacht, daß die Koeffizienten bestimmt sein müssen, weil sie beide für die Wellenlänge passend sein müssen. Hilfreich ist auch, daß a und b sich je nach Wellenlänge ändern. Um die Begrenzung von a und b zu vereinfachen kann man die Abhängigkeit der Koeffizienten von der Wellenlänge berechnen.2)
a (l ) = (2.1349 * 1019) e -0.14052 l3)
b (l ) = (16.407 - 0.085284l + 0.00011522l 2)l
Wellenlänge in nmD
= -1 * [(2.1349 * 1019) e -0.14052 l * W / 1000 + (16.407 - 0.085284l + 0.00011522l 2) P/ P0]Der 1/1000 Faktor bei
W kommt von der Umwandlung von Dobson Units und atm-cm.Die wirksame Wellenlänge
l 0 von dem jeweiligen Störungsfilter des Kanals kann durch Herausfinden, wo die Steigung des ln des gemessenen Signals mit der theoretischen Steigung zusammenfällt, bestimmt werden. Die Ozonwerte, die zur Berechnung von D benötigt werden, können von einem unabhängigen Meßgerät (z.B. Dobson Spectrophotometer) ermittelt werden. Kennt man das l 0 dann wird a und b für den jeweiligen Kanal berechnet (Gleichung 2 und 3). Die Filter die in Microtops II verwendet werden haben eine effektive Wellenlänge l 0, die ungefähr einen nm über der Wellenlänge, die im Zentrum des Filters ist, liegt.
Zusammenfassung
Microtops II ist ein Meßgerät, das schnelle und genaue Ozongehalt- und Luftfeuchtigkeit- Messungen ermöglicht. Tests haben ergeben, daß das Gerät unter verschiedenen Klima- und Wetterbedingungen sinnvolle Ergebnisse liefert. Microtops II wurde mit dem Dobson Spectrophotometer in Colorado verglichen. In Mauna Loa, Hawaii, wurde das Gerät unter wesentlich verschiedenen Klimabedingungen geeicht. Die bis jetzt vorliegenden Vergleiche mit anderen Meßgeräten zeigen eine gute Übereinstimmung.
Messungen
Karrösten
Höhe: 925m
östliche Länge: 10,75°
nördliche Breite: 47,25°
Messungen vom 07.11.1998 bis 29.11.1998
Vergleich mit:
Arosa (Schweiz) Höhe: 1742m, östliche Länge: 10° nördliche Breite: 46,9°
Sonnblick (Österr.) Höhe: 3106m, östliche Länge: 13° nördliche Breite: 47,05°
Meßvorgang
Das Meßgerät Microtops II ist leicht zu handhaben und stabil. Um eine genaue Messung durchführen zu können, sollte der Himmel möglichst klar sein. Da im Winter der Sonnenstand nieder ist, mißt man am besten um die Mittagszeit.





Sonnblick
Höhe: 3106m
östliche Länge: 13°
nördliche Breite: 47,05°
Arosa
Höhe: 1742m
östliche Länge: 10°
nördliche Breite: 46,9°
Arosa liegt im östlichen Teil der Schweiz und gilt als eine der bedeutendsten Meßstationen zur Beobachtung der Atmosphäre in Europa.
Die Katastrophenmeldungen in den Medien über das Ozonloch haben zwar große Bestürzung hervorgerufen, aber zu ausreichenden Maßnahmen gegen die ozonzerstörenden Gase kam es bis heute noch nicht. Dieses Jahr 1998 wurden die bisher tiefsten Ozonwerte gemessen. Die Folgen einer Klimaänderung wären fatal. Das Problem ist, daß nicht alle Staaten an einer globalen Lösung interessiert sind. Rußland zum Beispiel erhofft sich sogar Vorteile durch eine globale Erwärmung. Diese kurzsichtige Denkweise verhindert gemeinsames und effektives Handeln.
Es sind immer noch nicht alle Vorgänge und Einflüsse in der Atmosphärenchemie bekannt und deshalb ist es schwer zukünftige Voraussagen zu treffen. Trotzdem müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, da durch die lange Lebensdauer einiger Gase, die Ozonschicht selbst bei einem sofortigen Emissionsstop noch lange Zeit zerstört werden würde und die Regeneration des Ozonschildes nur sehr langsam vor sich geht. Es muß uns klar werden, daß wir nur durch den Schutz der Ozonschicht auf der Erde leben können.
Dank
Mein besonderer Dank gilt Univ. Prof. Dr. Mario Blumthaler für die Bereitstellung des Meßgerätes Microtops II und seine Unterstützung.
Außerdem möchte ich mich bei meinem Betreuungslehrer Prof. Mag. Kurt Leitl für seine Hilfe bedanken.
The Chemistry of the Atmosphere: Ist Impact on Global Change
Gefährdung der Biosphäre
Polare Stratosphärenwolken und Ozonloch
Die Planeten
Internet:
http://eospso.gsfc.nasa.gov/NASA_FACTS/ozone/ozone.html
http://eospso.gsfc.nasa.gov/NASA_FACTS/ozone/ozonefig2.GIF
http://www.hagen.de/OZON/ozon_1.htm
http://www.welt.de/archiv/1998/10/30/1030ws01.htm
http://www.ZAMG.ac.at/sonnblick
User`s Guide
Version 1.40